"Ich hab dich doch lieb"

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"Ich hab dich doch lieb"

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bei Theaterstückverlag erschienen
www.nina-info.de

Ich danke "Wildwasser e.V." Berlin und
"Terre des Femmes" für ihre Unterstützung
während der Entstehung des Textes!
www.wildwasser.de www.terre-des-femmes.de

JANA: Angefangen hat aber alles; als meine Mutter noch lebte und ich gerade sechs geworden war.

(Sie schließt die Augen und legt die Hände auf die Brust, als ob sie im Bett läge und schliefe.

Das Streichermotiv ertönt und das Licht wird runtergefahren, ein kaltes, blaues Licht

fokussiert Jana auf dem Stuhl. Man hört gedämpfte Schritte näherkommen. Eine Zimmertür

wird leise geöffnet und die Schritte sind jetzt deutlicher zu hören)

VATER: Jana, schläfst du schon? Jana?

JANA: (Augen immer noch geschlossen) Mhm?

VATER: Kannst du nicht schlafen?

JANA: Du hast mich geweckt.

VATER: Du musst doch schlafen, Kleines. Damit du morgen wieder hübsch bist.

JANA: Ich will ja.

VATER: Du vermisst Mammi, stimmt´s?

JANA: Ja.

VATER: Immer ist sie so lange weg... Ich weiß. Ich vermisse sie auch, weißt du?

JANA: Ja.

VATER: Aber sie kann nichts dafür. Die Arbeit verlangt das von ihr.
Sie wäre sicherlich lieber bei dir.

JANA: Ja, das hat mir Mammi auch gesagt.

VATER: Du darfst ihr nicht böse sein. Nein. Ich bin ihr auch nicht böse.
(Pause) Obwohl ich keine Ahnung hab, warum ausgerechnet sie immer
ihren Chef begleiten muss. Tolle Hotels, Konferenzen, tolle Empfänge...
Klar, dass können wir ihr nicht bieten, stimmt´s?
Deine Mutter ist erfolgreich, die genießt ihr Leben....

JANA: Ich versteh dich nicht. Ich will jetzt schlafen.

VATER: Ja, natürlich, Prinzessin. Natürlich. Sei nicht traurig.
Wir haben ja uns, stimmt´s? Wir beide sind für einander da.

JANA: Ich weiß, Papa. Ich will jetzt schlafen. Ich hab Dich lieb, Papa.

VATER: Ja, Prinzessin. Ich hab dich auch lieb. (Pause)
Hat dir dein Geschenk von Mammi gefallen? Das Fahrrad?

JANA: Ich hätte lieber die Puppe gehabt, die ich mir gewünscht hatte.
Aber das Fahrrad ist auch toll.

VATER: Die Puppe?

JANA: Ja. Mammi wusste das auch. Ich hab sie ihr gezeigt.

VATER: Weißt du was? Wenn du lieb bist, dann kaufe ich dir morgen deine Puppe.

JANA: Wirklich?

VATER: Aber natürlich. Wenn ich´s dir sage. Ich hab dich doch lieb.

JANA: (reißt die Augen auf) Pappi, was machst du?

VATER: Nichts.

JANA: Doch! Was machst du da?

VATER: Wir knuddeln... Das magst du doch

JANA: Aber nicht so. Das ist komisch. Ich will das nicht.

VATER: Du willst doch die Puppe.

JANA: Ja. Aber.... bitte, ich mag das nicht.

VATER: Ich kauf dir die Puppe. Aber du musst lieb sein.
Du musst mir auch etwas dafür schenken.

JANA: Nein, lass mich, bitte Pappi.

VATER: Ich hab dich doch lieb.

JANA: Geh da weg.

(Man hört eine Ohrfeige, Janas Kopf wird zur Seite gerissen, sie hält die Hände schützend vors Gesicht)

VATER: Deine blöde Puppe kannst du vergessen! Wer so ungezogen ist,
der hat so eine blöde Puppe gar nicht verdient! Du solltest Dich schämen!
Du bist wirklich ein hässliches Mädchen. Wenn Mammi das wüsste,
weinen würde sie, so enttäuscht wäre sie.

JANA: Aber ich...

VATER: Ich werde ihr nichts davon erzählen und du auch nicht, hörst du?
Es würde sie umbringen, wenn sie das wüsste. Willst du das Mammi stirbt?

JANA: Nein!

VATER: Willst du sie umbringen?

JANA: Nein! (beginnt zu weinen)

VATER: Dann halt die Klappe! Jetzt schlaf endlich! Und hör auf zu heulen, du weckst noch deine Brüder.

(Man hört; wie die Tür in den Rahmen knallt. Musik aus. Lichtwechsel)

JANA: Am nächsten Tag hat er meine Mutter angerufen und gefragt,
wo es die Puppe gäbe, die ich mir gewünscht hätte. Sie lag abends auf meinem Bett.
Zuerst hab ich sie in die Kiste mit der Eisenbahn von Ben, meinem Bruder, gesteckt.
Ich wollte sie nicht mehr. Ich hasste sie, weil sie nur zu mir gekommen ist,
weil man Vater ein schlechtes Gewissen hatte, obwohl ich doch daran Schuld war.
Na ja, sonst hätte ich doch meine Mutter nicht umgebracht, wenn ich es ihr erzählt hätte.

(Sie steht auf und geht zu dem Pappkarton, kniet sich hin und holt eine Puppe und eine Bürste heraus, sie
bürstet ihr die Haare.)

JANA: Tut mir leid. Ich wollte nicht, dass du traurig bist. Ich wollte nicht so gemein zu dir sein.
Ich dachte, ich kann dich nicht leiden, aber das stimmt nicht. Wollen wir Freundinnen sein?
Ja. Das ist toll. Wie heißt du? Was? Ach, du hast noch keinen Namen?
Mhm, also ich bin Jana, das kommt von Johanna. Nein, dazu bist du zu klein. Johanna, das klingt komisch.
Wie wär´s mit Jannchen oder Janina? Nina gefällt dir? Gut, dann heißt du jetzt Nina.
Hallo Nina, ich bin Jana. Willst du meine Freundin sein?

(Sie setzt sich mit der Puppe in den Händen wieder auf den Stuhl.)

JANA: Damals wusste ich noch nicht, was mein Vater da tat.
Ich fühlte mich nur schuldig, weil er so wütend geworden war.
Er hatte mir zwar die Puppe geschenkt, aber er redete nicht mit mir,
sah mich nicht mal an. Er tat so, als wäre ich gar nicht da.
Wenn es nicht anders ging, dann sagte er zu Ben oder Jakob:
„Sagt, deiner Schwester, dass es Essen gibt“, „Sag deiner Schwester sie soll aufessen.“,
„Sag deiner Schwester,.....“ obwohl ich genau neben ihm war.
Ich schämte mich furchtbar, weil er mich nicht mehr sehen wollte.

Dann kam meine Mutter wieder. Und alles war wie immer.

(Lichtwechsel. Warmes Orange. Sie schließt die Augen.
Sie sitzt mit der Puppe auf dem Stuhl, als ob sie im Bett läge.)

MUTTER: Gute Nacht.

JANA: Gute Nacht.

MUTTER: Du hast ja eine schöne Puppe.

JANA: Mhm.

MUTTER: Ich hab deinen Papa gesagt, er soll dich nicht so verwöhnen.
Aber er sagte, du wärst so traurig, weil ich nicht da bin
und die ganze Zeit so artig gewesen und sie verdient.

JANA: Ist Papa böse auf mich?

MUTTER: (lacht) Wie kommst du denn da drauf?

(Cellomotiv. Licht blau)

VATER: Was, du bist noch wach?

JANA: (ängstlich) Ja...

VATER: Nun, sag Nana gute Nacht.

JANA: Sie heißt Nina.

MUTTER: Gute Nacht.

JANA: Gute Nacht. (Kuss)

VATER: Schlaf gut.

JANA: Hmh.

VATER: Krieg ich keinen Kuss?

MUTTER: Jana, gib deinem Papa einen Kuss.

JANA: Ich mag heut nicht.

VATER: Ich hab dich doch lieb. Hast du mich nicht mehr lieb?

JANA: Doch, aber ich mag nicht.

MUTTER: Nina guckt auch schon ganz traurig.
Sie will wohl lieber heute bei uns schlafen.

JANA: Nein. (Kuss)

( Musik aus. Lichtwechsel)

Noch immer Interesse? Das vollständige Manuskript können Sie über meine E-mail-Adresse anfordern.

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