weitere Fotos
Pressestimmen zur Inszenierung des WKE

Leseprobe:
"Schillers Kabale"

1 Dame, 1 Herr
1 Durchsteher
90 Minuten

Premiere: 24.09.2008
Weimarer Kultur-Express
(Tournee ´08 - ´11)
Leseprobe: "NEIN!"

Leseprobe: "Ich hab dich doch lieb"

Leseprobe: "Die Weiße Rose"
Link zum Verlag
Leseprobe: "Freistunde"
Leseprobe: "Keine Chance"
bei Theaterstückverlag erschienen

2. Szene

Vor der Bühne

 

(Mandy stürmt auf die Bühne, gleich hinter ihr Ole)

 

OLE:      Hey, warte doch mal! 

MANDY:  Das hast du ja geschickt eingefädelt. 

OLE:         Ich dachte, du freust dich. 

MANDY:      Machst mich lächerlich vor der ganzen Klasse. 

OLE:         Aber es wollte doch sonst keiner mit dir. 

MANDY:      Woher willst du das wissen. Du hast ja gleich los geschrieen: „Mandy und ich sind ´ne Gruppe!“ 

OLE:         Na komm schon. Wer will schon mit so´ner Streberin zusammen ´ne Gruppe bilden. Ich wollte nur nett sein. 

MANDY:      Wer´s glaubt!

 OLE:      Kannste ruhig glauben.

 MANDY:  Wir müssen uns dafür treffen. Wir müssen lesen und Text auswendig lernen, wir müssen proben. Das dauert Stunden, ist dir das überhaupt klar? 

OLE:         Na, wenn ´s sein muss. 

MANDY:      Wehe du lässt mich hängen! Das hast du dir selber eingebrockt. 

OLE:         Ok. Geschäft: Ich mach das alles für dich.... 

MANDY:      Und für dich! 

OLE:         Ich krieg sowieso ´ne fünf bei der Müller, die immer mit ihren blöden Klassikern. Ich tu´s für dich, damit du nicht wieder mal als einzige alleine da vorn stehen musst. 

MANDY:  Wie tröstlich. Ehrlich gesagt, wäre mir das lieber, als mich mit dir Klassenclown völlig zu blamieren.

 OLE:         Du wirst dich nicht blamieren, ich versprech´s. 

MANDY:  Sag bloß, du glaubst, dass du so deinen Kuss kriegst. 

OLE:      Ehrlich gesagt, ja. So hatte ich mir das in etwa vorgestellt. 

MANDY:  Du bist echt ein Idiot. (will gehen) 

OLE:         Ok. Vergiss den Kuss. War blöd von mir. War nur ´n Witz. 

MANDY:  Ein Witz. Sehr lustig. Also mach ich meine Szene allein. Tschüss. (will gehen) 

OLE:      Nein. Lass uns das zusammen machen. Ich mein, ich steh schon fünf, die kann ich noch mit Mathe ausbügeln, aber ´ne sechs... 

MANDY:  Ist aber nicht mein Problem. 

OLE:      Trotzdem. Ich brauch... du könntest mir helfen... 

MANDY:      Keinen Kuss. 

OLE:      Nein. 

MANDY:  Du bist pünktlich, alberst nicht rum, bist ordentlich vorbereitet und ich mach die Regie. 

OLE:         Oh, Mann! 

MANDY:  Das ist der Vertrag.

 OLE:      Was soll´s.

 MANDY:      Und hier ist der Preis.

 OLE:      Reicht das nicht schon?

 MANDY:  Ab jetzt nennst du mich nicht mehr Brillenschlange, Streberin oder sonst irgendwie. Keine Witze auf meine Kosten, keine Karikaturen an der Tafel, keine blöden Kommentare, wenn ich etwas im Unterricht sage.

 OLE:      Hey, wo bleibt der Spaß?

 MANDY:      Überleg´s dir. Schluss mit lustig oder aus mit Deutsch. Sechs, setzen, durchgefallen.

 OLE:         Ok, Schluss mit lustig aus mit Deutsch.

 MANDY:  Mit Deutsch fängt es für dich gerade erst an. Morgen um vier bei mir. (Im Abgehen) Und sei pünktlich!

 OLE:         Ja doch, Frau Professor!

 MANDY:  Das hab ich gehört!

 OLE:      Tschuldigung! Die Gewohnheit! Kommt nicht wieder vor. (geht in die andere Richtung) Na, die Wette hab ich doch schon so gut wie gewonnen! (äfft sie nach) Um vier bei mir. Und sei pünktlich! Tim wird sich noch in den Arsch beißen. 25 € plus ´ne sichere Fünf in Deutsch! Wenn das kein Schnäppchen is! Und der blöde Kuss. Ich muss echt kotzen. (trällert) 25 Euro! (will abgehen, da klingelt sein Handy) Jo?! (im Abgehen) Boah, Mara, was willst du denn schon wieder.... (immer leiser werdend unverständlich auf der Seitenbühne weiter.)

 3. Szene

Bei Mandy.

 

MANDY:      (telefoniert) Ich weiß, dass wir uns lange nicht mehr gesehen haben. (Pause) Ich muss für die Schule arbeiten, ich kann nicht. (Pause) Doch Timo, dass ist wichtig. (Pause) Nein, ich versuche nicht, dir aus dem Weg zu gehen. Ich hab dir doch von Anfang an gesagt, dass die Schule für mich immer vorgeht. (Pause) Bitte, sei nicht sauer.

 1. Einspielung: (Durch die Tür hört man die Klingel, dann, während vorne das Telefonat weitergeht, Stimmen auf dem Flur.)

 Flur/Vater:     Ja, bitte? Was kann ich für sie tun?

 Flur/ Ole:  Ich bin Ole Janneck. Ich bin mit ihrer Tochter verabredet, wir wollten für Deutsch lernen.

 MANDY:      Timo. Natürlich haben wir uns da öfter gesehen, wir hatten Ferien. Aber jetzt muss ich lernen. (seufzt) Das heißt nicht, dass ich dich nicht mehr sehen will.

 Flur/ Vater: Verstehe. Kommen sie rein.

 Flur/ Ole:      Danke. Schönes Haus. Toller Garten. Da kann man das Leben genießen...

 MANDY:  Ich vermisse dich auch. Doch, wirklich. Ich vermisse dich auch. Aber was soll ich machen? (Bemerkt die Stimmen im Flur)

 Flur/ Vater: In erster Linie ist das nur viel Arbeiten. Mein Gärtner hat gekündigt, jetzt hängt alles an mir. Können sie mit Pflanzen umgehen?

 MANDY:  Ich muss jetzt Schluss machen. Ich ruf dich später noch mal an.

 Flur/ Ole:  Äh, nein. Ich mein, hab ich noch nie probiert.

 Flur/ Vater: Na, wenn sie nicht wollen. Sie müssen´s ja wissen. Hier entlang.

 MANDY:      Timo, jetzt mach´s mir doch nicht so schwer. Ich vermiss dich, ich will dich gerne sehen, ich flüchte nicht vor deiner Nähe, aber ich muss jetzt Schluss machen. Ole ist da... Nein! Wir lernen für Deutsch! Kabale und Liebe, wir müssen eine Szene zusammen für den Unterricht vorbereiten. (Pause) Nein! Was kann ich denn dafür, dass es ausgerechnet Kabale und Liebe sein muss, ich hab´s mir nicht ausgesucht. (Pause) Am Ende stirbt Luise, vergiftet von ihrer großen Liebe, dass hab ich sicherlich nicht vor. Also sei jetzt nicht kindisch.

 Flur/ Vater: (er klopft an der Türe) Mandy?

 MANDY:  JA? Mein Vater. Ich leg jetzt auf. Kuss. WAS DENN?

 Flur/ Vater: Ole kommt wegen der Deutschnachhilfe.

 MANDY:      (öffnet die Tür) Ich gebe ich ihm keine Nachhilfe, wir lernen zusammen. Komm rein. Danke, Papa.

 (Ole tritt ins Zimmer. Sieht sich um, scheint etwas unsicher.)

 OLE:         Da bin ich.

 MANDY:  Ja, das seh´ ich.

 OLE:      Pünktlich.

 MANDY:      Sogar zwei Minuten vor der Zeit.

 OLE:         Ich wollte nicht zu spät sein.

 MANDY:      Schön. Jetzt bist du also da. Pünktlich. Wollen wir anfangen?

 OLE:      Hm? Ja. Klar.

 (Pause)

 OLE:      Nett, dein Vater.

 MANDY:      Keine Angst. Er meint es nicht so.

 OLE:      Nein, ich mein´s ernst. Er hat mir einen Job als Gärtner angeboten.

 MANDY:      Oje, entschuldige. Er ist es gewohnt, alle als seine Angestellten zu behandeln. Und?

 OLE:      Und was?

 MANDY:      Hast du angenommen?

 OLE:      Nein, natürlich nicht. Ich meine, ich kenn mich mit Gartenarbeit doch gar nicht aus.

 MANDY:  Na, gratuliere. Das erlebt er selten, dass ihm einer etwas abschlägt. Das wird ihn beeindruckt haben. Sonst traut sich keiner, ihm zu widersprechen. 

 OLE:         Ich hab ihm nicht widersprochen, ich hab nur gesagt, dass ich keine Ahnung davon habe.

 MANDY:      Eben. (Pause) Lass uns anfangen.

 OLE:         Ja, gut. (blättert) Welche Szene hast du dir denn rausgesucht.

 MANDY:  So stellst du dir das vor, ich mach die Arbeit und du setzt dich ins gemachte Nest? Nee, nee. So läuft das nicht. Wir suchen uns gemeinsam eine Szene aus und dafür werden wir auch gemeinsam das Stück lesen.

 OLE:         Das ganze Stück? Aber das dauert ja Stunden, da werden wir ja nie fertig.

 MANDY:  Wie willst du eine Szene spielen, wenn du die Zusammenhänge nicht kennst, wenn du nicht weißt, warum die Figuren so handeln, was sie bewegt, was ihre Ziele sind? Und auch, was anschließend mit ihnen geschieht?

 OLE:         Na, ich such mir ´ne Stelle raus und da steht ja dann im Text, was sie gerade wollen und fühlen. Ist doch ganz einfach.

 MANDY:  Nein. Da steht, was sie sagen, dass sie fühlen und denken. Was sie aber wirklich fühlen und denken, kannst du nur wissen, wenn du weißt, wie sie da hingekommen sind, dass sie nun das sagen, was sie sagen.

 OLE:         Du übertreibst jetzt aber. Die Müller will, dass wir ´ne Szene nachspielen und nicht unsere Doktorarbeit schreiben.

 MANDY:      Entweder, wir machen es richtig oder gar nicht. Entweder du machst es, so wie ich es sage, oder du kannst gehen und dir deine Szene selber raussuchen und den Text aufsagen ohne zu wissen, was du da sagst.

 OLE:      Gut, dann lesen wir eben das ganze Stück. (holt es aus seiner Tasche, zu sich) So werden wir heute nie fertig.

 MANDY:  Na, dann treffen wir uns eben, bis wir fertig sind. Wir haben ja noch über vierzehn Tage Zeit bis wir dran sind mit der Szene.

 OLE:         Ich hab auch noch etwas anderes vor.

 MANDY:      War nicht meine Idee, dass wir zusammen eine Gruppe bilden. Wenn es dir nicht passt, da ist die Tür. Ich will dir nichts aufdrängen. Deine freie Entscheidung.

 OLE:         Ich hab doch gesagt, wir lesen das ganze Stück. Soll ich anfangen?

 MANDY:      Was hältst du davon, wenn wir in verteilten Rollen lesen? Dann finden wir vielleicht auch gleich raus, welche Szene uns beiden am besten liegtt.

 OLE:         Ich dachte, die, wo sie sich küssen....

 MANDY:  Welche Szene?

 OLE:         Na ich meine, die müssen sich doch irgendwann mal küssen. Die Szene dachte ich.

 MANDY:  Du hast noch nicht mal in das Stück reingeguckt, stimmt´s?

 OLE:         Ich dachte nur, dass traut sich sicherlich kein anderer. Das würde Eindruck machen und die Müller würde das bestimmt auch positiv bewerten...

 MANDY:  Du weißt überhaupt nicht, worum es hier geht.

 OLE:         Na, dann lesen wir jetzt in verteilten Rollen – dann werden wir schon zu der Szene kommen, die ich meine. Also, Miller: Einmal für allemal!

 MANDY:      Was soll das?

 OLE:         Ich lese?

 MANDY:  Du weißt doch gar nicht, in welcher Situation er das sagt.

 OLE:         Ok – was ist die Situation?

 MANDY:      „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller. Erster Akt, erste Szene. Zimmer beim Musikus. Miller steht eben vom Sessel auf und stellt sein Violoncell auf die Seite. An einem Tisch sitzt Frau Millerin noch im Nachtgewand und trinkt ihren Kaffee. Miller: schnell aufundabgehend (Pause) Du bist dran!

 OLE:      (monoton, ohne Haltung) Einmal für allemal! Der Handel wird ernsthaft. Meine Tochter kommt mit dem Baron ins Geschrei. (Mandy sieht auf, verdreht die Augen und seufzt, als wenn sie sagen wollte, das wird noch ein hartes Stück Arbeit.) Mein Haus wird verrufen. (spricht weiter, während das Licht langsam rausfährt, wird mit dem dunkler werdenden Licht immer leiser) Der Präsident bekommt Wind, und – kurz und gut, ich biete dem Junker aus. - Was soll das denn heißen...biete dem Junker aus...

 

oben