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"Keine Chance"

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"Keine Chance"

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65 Minuten

Erschienen im: www.theaterstueckverlag.de

Thomas: Klartext? In Ordnung: Also Klartext. Du hast mich verpfiffen. Ich weiß es. Nur du kannst es gewesen sein. Die ham uns kassiert und du bist rausmarschiert.

Andy: Außer Dir sind alle rausmarschiert.

Thomas: Aber bei dir ist ´s nich´ mal zu ´ner Anzeige gekommen.

Andy: Ich hab halt meinen Mund gehalten. Die konnten mir nichts.

Thomas: Ich glaub, du konntest dein Maul eben nicht halten! Hast mich gegen deinen sauberen Arsch verkauft! Und Dein Vater hat den Vertrag ausgehandelt!

Andy: Nein!

Thomas: An dem Abend waren wir verabredet: Du, Falk, Flensburger, Chris, Henning in meinem Auto. Wir hatten mit denen aus Klockenburg eine Party ausgemacht. Die größte Party unseres Lebens. Baseballschläger, Ketten, Eisenstangen alles im Kofferraum verstaut. Zu der Kneipe von den Albanern. Wir hielten vor der Tür, der Laden war voll, platzte aus den Nähten. Die Party wird ´n voller Erfolg, das war klar. Wir tranken noch ´n paar Bier im Wagen bevor es los ging.

Andy: Ich weiß. Ich war dabei.

Thomas: Dann erzähl weiter.

Andy: Was soll der Blödsinn.

Thomas: Alte Zeiten! Los erzähl. (Pause) Erzähl weiter! (Er schlägt zu)

Andy: Einer... einer der Klockenburger kam zu uns. Klein, schmächtig, übler Blick... Er fragte, ob ´s los gehen kann.

Thomas: Klar! Wir sind bereit.

Andy: Der Kleine ging rein, um erst mal Stimmung zu machen.

Thomas: Die müssen gedacht haben: total besoffen, der ist lebensmüde. Der Spacki reißt das Maul auf und um ihn ´rum alles nur Albaner. Weiter!

Andy: Dann flog die Tür auf, er rannt, was er konnte, und schrie:

Thomas: Sie kommen, sie kommen.

Andy: Die quetschten sich durch die Türe. Jeder wollte der erste sein.

Thomas: Doch da standen wir: Bang! Der erste lag schon am Boden. Krach, der zweite knallte voll mit dem Gesicht zuerst gegen die Tür!

Andy: Die anderen schrieen, wollten zurück in den Laden, in Sicherheit. Ging aber nicht.

Thomas: Weil die drinnen immer noch nichts gecheckt haben. Zack, mit der Stange auf die Nieren, bong mit dem Baseballschläger in die Fresse.

Andy: Wir schlugen und traten uns durch das Gewühle bis wir die wieder drin hatten und dann ging es erst richtig los.

Thomas: Zwei blieben draußen, für die, die abhauen wollten, die hatten keine Chance! Bang!

Andy: Und wegen der Autos, die liefen ja noch im Leerlauf, damit wir schneller wegkämen, falls was schief läuft.

Thomas: Ja. Im Laden drin ist Falk gleich zum Telefon und hat den Kasten aus der Wand gehebelt.

Andy: Dann ist er in die Küche und hat das zweite Telefon platt gemacht.

Thomas: Und den Typen gleich mit, der sich da verkrochen hatte, voll den Topf mit kochend Wasser über den.

Andy: Wir über Tische, Stühle, Männer, jeden und alles platt gemacht.

Thomas: Gläser, Flaschen und Teller flogen durch die Luft. War echt gefährlich.

Andy: Die Lampen zerschlagen, dass man von draußen nichts sieht.

Thomas: Knochen brachen.

Andy: Was für ein Geräusch!

Thomas: Blut spritzte einem auf die Hände und Arme, ins Gesicht.

Andy: Warm, fasst heiß. Irres Gefühl.

Thomas: Die schrieen, versuchten, sich zu wehren.

Andy: Keine Chance! Nicht gegen uns.

Thomas: Wenn die am Boden lagen, den Tisch drüber.

Andy: Und zwei Mann auf den Tisch und getanzt wie wild.

Thomas: Wie auf ´m Boot, kein´ Halt, kein Gleichgewicht.

Andy: Und die Schreie sind die Musik dazu.

Thomas: Und das Blut dazu. Absoluter Rausch, absoluter Kick!

Andy: Überall Blut, das eigene, das fremde, warm wie eine Dusche.

Thomas: Duschdas! Duschdas!

Andy: Und dann alles still. Nur noch röcheln und etwas stöhnen...

Thomas: Keiner regt sich mehr, die stellen sich tot, in der Hoffnung, das war´s dann.

Andy: Auf dem Boden eine Pampe aus Bier und Essensresten und Blut und Erbrochenem.

Thomas: Wir reiben uns die schmerzenden Knochen, das Blut wird schon trocken auf der Haut.

Andy: Oder vermischt sich mit dem Schweiß zu kleinen Rinnsalen.

Thomas: Man hört nur noch sein Herz, wie es pocht, wie es schlägt. Es rast wie wild.

Andy: Und der Atem geht wie ein Blasebalg in der Eisenschmelze.

Thomas: Die totale Musik, das Blut rauscht einem in den Ohren. Der totale Rhythmus.

Andy: Heftig. (Pause) Wir sehen uns um. Den einen Klockerburger hat es auch ganz schön erwischt.

Thomas: Bierkrug, glatt über ´n Schädel. Blutet wie ´n Schwein und grinst dabei wie bei Weihnachten.

Andy: Saubere Arbeit. Party ist aus.

Thomas: Aber da hören wir, wie einer versucht, ein Auto anzulassen. Total in Panik, lässt den Wagen immer wieder absaufen.

Andy: Falk stürmt los. Wir hinter her durch die Küche zur Hintertür.

Thomas: Flensburger reißt schon die Wagentür auf und zerrt den Typen raus.

Andy: Der Wirt. Der wäre uns fast entwischt.

Thomas: Nicht bei uns. Keine Chance!

Andy: Chris und Flens prügeln dem die Seele aus dem Leib. Alle anderen stehen im Kreis und johlen und klatschen und grölen.

Thomas: Die Party geht weiter.

Andy: Und als der schon am Boden liegt und kaum mehr röchelt, kam einer mit einem der Autos an...

Thomas: Mein Wagen...

Andy: Um die Show ins rechte Licht zu setzen. (Pause)

Thomas: Ist noch nicht zu ende. Weiter!

Andy: Du trittst in das Licht und stößt Chris zur Seite. Du brüllst Flens an, er soll dir gefälligst helfen den Sack hoch zu bringen.

Thomas: Los, hilf mir den Sack hoch zu kriegen, siehst doch, der braucht Hilfe! Los, Mann, an die Wand darüber mit ihm!

Andy: Alle sehen sich an, keiner rafft so richtig, was das jetzt soll.

Thomas: Was ´n Spaß diese dummen Gesichter zu sehen.

Andy: Ihr schleift ihn zur Mauer und stellt ihn dort auf. Ihr haltet ihn fest. Ohne euch wär´ der wie ein nasser Sack zu Boden gegangen. Ihr streckt Euch, versucht, soweit wie möglich von dem Typen Abstand zu halten. Und dann schreist Du...

Thomas: Zweiten Gang rein! Und gib ´s ihm! Der läuft uns nicht mehr weg.

Andy: Der Wagen fährt an, rollt langsam auf die Mauer zu und ... Fieses Geräusch!

Thomas: Dann legt er den Rückwärtsgang ein, ein paar Meter zurück und wieder voll drauf. Und wieder Rückwärtsgang und wieder drauf und noch mal und noch mal und noch mal...

Andy: Totaler Rausch. Das war echt übel.

Thomas: Das war mehr als übel. Das war ´ne richtige Scheißaktion.

Andy: Ja.

Thomas: Beine brechen, ok. Totschlag, kann passieren. Aber das war Mord.

Andy: Dann standen alle um ihn herum und sahen auf ihn runter. So etwas hab ich noch nie gesehen.

Thomas: Wer saß in dem Wagen?

Andy: Wusste nachher keiner. Die Klockenburger haben es abgestritten, aber ihre Jungs waren vorne an der Tür bei den Autos und....

Thomas: Du!

Andy: Was?

Thomas: Du hast in meinem Auto gesessen! Du hast den Typen zu Brei gefahren! Du hast ihn kalt gemacht! Und dann hast du mir den Mord in die Schuhe geschoben!

Andy: Ich war das nicht! Keiner wusste, wer es war... Ich hab neben Dir gestanden, weißt du doch, neben dir.

Thomas: Ja, neben mir - aber erst als es vorbei war. Wo warst du als es geschah?

Andy: Keine Ahnung! Irgendwo zwischen den anderen.

Thomas: Nein!

Andy: Ehrenwort! Ich schwör es!

Thomas: Du schwörst?

Andy: Ja!

Thomas: Blutsbande! Die Regel: Ein falscher Schwur...

Andy: Ich weiß!

Thomas: Da muss ich Dir wohl glauben.

Andy: Ja. Natürlich.

Thomas: Nein! Ich hab dir gesagt, ich hatte viel Zeit im Knast. Immer wieder, immer wieder habe ich darüber nachgedacht, die Nacht immer wieder durchgespielt, die Szene immer wieder vor meinem inneren Auge ablaufen lassen, versucht, mich zu erinnern, wer wann wo war. Du warst nicht bei den anderen und du warst nicht bei mir, du warst im Auto, in meinem Auto. Du warst es. Keiner außer dir ist so blöd, in einem weißen Polo-shirt so ´ne Party zu machen! Alle trugen schwarz, dunkelrot oder blau, nur du hattest ein weißes an. Und das strahlte im Licht der Neonröhre durch die Frontscheibe, wie der Wagen auf uns zu kam. Irgendwann hatte ich wieder dieses Bild im Kopf: das weiße Shirt, das durch die Scheibe des Wagens scheint. Da wusste ich, dass du im Auto gesessen hast, dass du ihn umgebracht hast. Und später sah ich auch deine Visage und dieses fette, arrogante, geile Grinsen, das du dabei hattest. Du warst es. Und du hast mir das eingebrockt, mich verpfiffen, um deine Haut zu retten. Und dann besuchst du mich wie ein treuer Hund im Knast und grinst mich an und lügst mich voll jedesmal, wenn du dein Maul aufmachst.

Andy: Und? Willst du mich jetzt kalt machen?

Thomas: Ich will wissen, wieso?

Andy: Was bringt das?

Thomas: Ich will es wissen! Ich will wissen, wieso ein Typ wie du mein Freund war, wieso du den Typen umbringst und mich in den Knast. Ich will wissen, wieso ich die Strafe für einen Anwaltssohn absitzen muss, während der sein Abitur machen kann und mir etwas von Treue, Ehre, Kameradschaft und Blutsbande erzählen kann, obwohl ich doch nur ein Idiot für ihn bin, den er für seinen Scheiß einfach verheizen kann.

(Noch immer Interesse? Das vollständige Manuskript können Sie über meine E-mail-Adresse anfordern.)

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