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"Nein!"

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Leseprobe:
"Nein"

1 Dame, 1 Herr
1Durchsteher
75 Minuten

Premiere: Mai 2007
Weimarer Kultur-Express
(Tournee ´07 - ´10)
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(Toneinspielung: Das Telefon klingelt.

Beide erstarren.

Dann ist der AB zuhören: „ Hier ist Frau Forst. Die Klassenlehrerin ihrer Tochter. Ich muss sie dringend sprechen. Wir haben einen schweren Fehler gemacht. Rufen sie mich bitte.... nein, ich versuch es später noch einmal.“)

M: Sie hat doch gesagt, sie ruft nicht an, sie hat es mir versprochen! Sie hat´s versprochen! Die weiß doch, was mir blüht, wenn die was erfahren. (stürmt zu den Kartons) Ich muss hier raus, sofort, sofort, ich muss hier raus. (sieht zu J, der sie anstarrt) Hilf mir doch, die bringen mich um. Die Forst hat mich ausgetrickst, ich hätte ihr nicht vertrauen dürfen. Die hat mich verraten. Hilf mir!

J: (nimmt einen letzten Schluck. Er schwankt leicht. Dann geht er langsam auf sie zu. Er reißt sie an den Haaren hoch. Er zischelt ihr leise ins Ohr:) Was hast du gesagt?

M: Nichts, nichts. Lass mich los!

J: (reißt sie nochmals zurück, sie steht jetzt mit gekrümmten Rücken in einem Bogen, fast auf den Zehenspitzen, kann sich kaum halten) Was du gesagt hast!

M: Du bist betrunken!

J: Na und? Bin ich halt betrunken. Was geht´s dich an.

M: Ich hab gar nichts gesagt.

J: Lüg mich bloß nicht an! Der Rektor hat heute auch schon angerufen. Ist doch klar, dass das kein Zufall ist. Aber Vater war so blau, dass er gleich wieder aufgelegt hat.

M: Ich wollte doch gar nicht, aber sie haben mich ausgetrickst. Ich musste zur Schulärztin. Die Forst hat gesagt, sie glaubt mir meine Ausreden nicht mehr, sie glaubt nicht, dass ich so tollpatschig bin und mir die Hand aus Versehen verbrüht habe. Sie hat mich zur Schulärztin geschleppt. Ich kann doch nichts dafür.

(J. stößt sie aufs Bett.)

J: Dann hält man halt die Schnauze! Was hier passiert, geht keinen was an. Mutter wird schon einen Grund gehabt haben. Da rennt man nicht zu Fremden, um sich auszuheulen. Du bist echt noch mieser, als ich dachte, die Familie so in den Dreck zu ziehen.

M: Aber ich hab doch nichts gesagt!

J: Die Familie ist die Familie. Es geht keinen was an! Die haben doch gar keine Ahnung, was hier los ist. Die haben doch keinen Respekt vor uns. Denen ist es doch völlig egal, wie schwer es Mutter hat. Mann, da ist sie halt mal ausgetickt, die ist völlig überfordert, da kann so was schon mal passieren. Hat dich ja nicht umgebracht.

M: Aber irgendwann bringt sie mich noch um!

J: Was soll der Aufstand? Mit mir macht sie so etwas nicht. Gib endlich zu, dass es deine Schuld ist.

M: Aber es wird immer schlimmer. Merkst du das nicht? Früher warst du ihr Prinz, aber jetzt kannst du es ihr auch kaum mehr recht machen. Und der Alte ....

J: Zieh mich da nicht mit rein!

M: Aber du willst doch sowieso weg von hier, in eine andere Stadt, wo dich keiner kennt. Und mich willst du doch mitnehmen. Das hast du doch gesagt.

J: So´n Quatsch! Das hab ich nur gesagt, damit du mir nicht die Ohren voll heulst.

M: Aber ich...

J: `ne Lügnerin und Verräterin bist du, sonst nichts!

M: Wer hat hier denn wen verraten?

J: Ich hab mich nicht bei der Forst ausgeheult.

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M: Ich doch auch nicht. (J will sie ohrfeigen. M schnell:) Die Schulärztin hat mich untersucht. Ich musste mich vollständig ausziehen. Sie hat die blauen Flecke und Narben gesehen. Bei jedem hat sie gefragt, woher der kommt. „ich bin beim Sport gefallen“, hab ich gesagt. „Bin im Dunkeln gegen die Tür gerannt“, „Da bin ich in der Wanne ausgerutscht“, „Das ist von ´nem Fahrradunfall“, „Da hab ich mich an einer Scherbe geschnitten“... Aber irgendwann ist mir einfach nichts mehr eingefallen. Die Ärztin sah mich an und sagte: “Ich glaube dir nicht. Du solltest mir jetzt die Wahrheit sagen.“

J: Na und? Mich haben die auch schon dahin geschleppt. Zwei Stunden haben die auf mich eingequatscht. Aber ich hab auf sturgestellt und kein Wort gesagt. Keine Chance. Irgendwann haben sie mich dann unverrichteter Dinge gehen lassen. (reißt sie hoch und schüttelt sie) Also erzähl mir nicht, sie hätten dich gezwungen!

M: Die Schulärztin hat gesagt, ich kann ihr vertrauen, sie unterliegt der Schweigepflicht. Ich hab zugegeben, dass ich mich nicht selbst verbrüht hab. Aber es sei ein Unfall gewesen. Mutter hätte es eilig gehabt und in der Hektik sei das halt passiert. Ich wäre ihr in die Quere gekommen, es sei meine Schuld gewesen. Sie hätte mit dir zum Arzt gehen müssen, das sind schwere Verbrennungen. Nein, nein, sagte ich, dass sei alles halb so schlimm. Und sie wollte ja zum Arzt mit mir, aber ich wollte nicht. Sie sagte, es sei nicht meine Schuld. Ich solle mir nicht einreden, dass es an mir läge. Meine Mutter hätte die Pflicht gehabt, mich zum Arzt zu bringen. Und sie glaube mir nicht, dass das alles nur Zufälle und Unfälle gewesen wären. Und dann schleppte sie mich zur Schulpsychologin.

J: Und da ist dir nichts besseres eingefallen, als ihr dein dummes Leid zu klagen?

M: Die Psychologin sagte, dass Kinder ein Recht auf Liebe und Verständnis hätten. Dass es verboten ist, seine Kinder zu schlagen oder zu quälen. Das Kinder keine Sachen wären und nicht das Eigentum der Eltern. Dass sie keine Sklaven sind. Und das Kinder ein Recht hätten, nein zu sagen. Und wenn die Eltern kein nein zulassen, dann muss man die Kinder schützen. Sie sagte, die Kinder müssen ihre Eltern schützen, indem sie sagen, was ihre Eltern ihnen antun, weil die Eltern Hilfe brauchen!

J: Vater ist arbeitslos, Mutter am Rande des Wahnsinns, die drehen die doch durch den Fleischwolf! Denen ist das doch alles scheiß egal. Die stecken die noch in den Knast und uns ins Heim, zu den Kinderfickern! Aber nee, du blöde Kuh kannst ja nicht denken. Es geht ja immer nur um dich! Du bringst nur Schande über die ganze Familie. Anstatt Mitleid zu haben, bringst du Vater in den Knast, Mutter wird das nicht überleben. Und ich? Wenn das in meiner Akte steht, dann war´s das mit meiner Bundeswehrkarriere, die schmeißen mich hochkant raus. Schweres Elternhaus, Heimkind, Eltern im Knast! Die lachen mich doch aus! Was für ´ne Niete!

M: Aber ich hab das doch auch für dich getan!

J: Ich kann mir allein helfen, ich brauch deine Hilfe nicht! Ich komme ganz gut damit allein klar. Ich renn nicht zu irgendeiner Psychotante und heule mich bei ihr aus. Du willst dich doch nur an uns rächen, weil du in deinem beschissenen Selbstmitleid ertrinkst. Du hasst alle! Du hasst dich selbst, du kannst dich doch selbst nicht mehr ertragen. Du bist ein Häulein Elend! Dreck! Ein Freak! Und dafür willst du dich an uns rächen! (prügelt auf sie ein)

M: (versucht sich gegen die Schläge zu schützen) Ich wollte doch nichts sagen, aber die haben´s mir aus der Nase gezogen. Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte, und auf einmal platzte das alles aus mir raus. Es tut mir leid. Es tut mir leid. Ich hab sie angebettelt, niemanden etwas davon zu sagen. Ich hab gesagt, dass sie alles nur noch schlimmer machen, wenn sie meine Eltern darauf ansprechen. ( J. hört auf) Aber die sind gleich zum Direktor gerannt. Ich hab gesagt, ich wollte ihnen nur einen gefallen tun und einfach nur erzählt habe, was sie hören wollten. Und das ich mir das alles nur ausgedacht habe, weil ich es genoss im Mittelpunkt zu stehen und dachte, so könne ich Mathe schwänzen. Der Direktor hätte mir auch fast geglaubt, aber die haben darauf bestanden, dass er etwas unternimmt. Er wird es sich überlegen, hat er gesagt. Ich hab doch nicht geahnt, dass er gleich hier anruft.

(Er schmeißt sie aufs Bett. Robbt hinter her, presst sich auf sie.)

J: Du Miststück, du Schlampe! Du bist das aller Letzte! Du zerstörst die ganze Familie! Du zerstörst meine Zukunft, du zerstörst alles! Bist du jetzt zufrieden? Bist du zufrieden? Hast du jetzt endlich erreicht was du wolltest? Ich bring dich um! Ich bring dich um?

M: Nein, was tust du da?

J: Den Alten lässt du doch auch ran! Du Schlampe! Dann wird´s dich doch nicht stören, wenn ich´s auch mal mache! Du Hure!

M: Nein, nein, bitte! Lass mich, lass mich! Bitte, nicht!

(Sie kann sich befreien, rennt zum Stuhl. Er rennt ihr hinter her, doch sie stößt den Stuhl in seine

Rippen)

M: Merkst du nicht, was sie aus dir gemacht haben? Du bist genauso ein Schwein! Du säufst, du schlägst, du ....

J: Ich mach dich fertig!

M: Du brauchst Hilfe! Du willst mal ´ne Freundin haben? Du willst Kinder in die Welt setzen? Willst du die dann auch grün und blau schlagen, bloß weil dich dein Boss angeschnauzt hast?

J: Ich werde nie meine Kinder schlagen. Nie!

M: Und was machst du gerade? Merkst du noch was?

J: Du bist nicht mein Kind.

M: Ich bin deine Schwester!

(Er versucht, an sie heran zu kommen, doch sie schlägt ihn den Stuhl in die Seite und er stürzt aufs

Bett, dort bleibt er liegen, fängt leise an zu weinen.)

M: Ich muss hier raus.

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