Leseproben

"Sade-Teresa" und "Die Abenteuer des Königs Pausole"

Die Neufassung der Dialoge der Operette "König Pausole" wie auch die Übersetzung des Librettos "Sade-Teresa" wurden im Auftrag der Berliner Kam-meroper angefertigt.
Hier zwei kurze Leseproben.
(Die Rechte liegen bisher beim Übersetzer.)

Orpheus 12/94:

Zu König Pausole

Die freche Utopie eines antimilitaris-tischen, dafür um so lustfreundlicheren Staates und zugleich eine augenzwinkernde Satire auf den freizügi-gen Zeitgeist der End-zwanziger. Die recht frivole und direkte Neu-Übersetzung der Dialoge, mit der die Produktion der Kam-meroper aufwartet, läßt daran keinen Zweifel, auch wenn die in erster Linie klamaukige Insze-nierung manche po-litischen Bezüge unter den Teppich kehrt.

"Die Abenteuer des Königs Pausole"

Fassung für die Inszenierung der Berliner Kammeroper 1994

Taxis: Revolution, Mäjestät, Revolution!

Perchuque: Der Harem ist zu den Kommunisten übergelaufen.

Pausole: Was sagen Sie, Perchuque? Und Sie, reden Sie schon, Großeunuch! Was! Mein Harem revoltiert?

Perchuque: Ja, Majestät!

Taxis: Sire, man muß die schärfsten Maßnahmen ergreifen.

Meier: Bedenkt, das Dromedar hetzt die Bevölkerung auf.

Pausole: Taxis, das ist Ihre Sache, Sie sind der Chef meiner Garde.

Taxis: Sperrt das Dromedar in den Kaninchenstall - und die Königin Diane in die Vorratskammer!

Meier: Zu Befehl!

Pausole: Geben Sie accht, daß Sie nicht gebissen werde.

Meier: Ich weiß mit Viechern umzugehen. (ab)

Pausole: Ich meinte Diane!

Giglio (kommt durchs Fenster herein): Sie haben nach mir verlangt, Sire?

Pausole: Du bist doch ein Gauner! Du kannst lachen. Du hast mich aus meinem Palast gelockt, um mich mitten zwischen Kühe, Kälber, Schweine und Hühner zu versetzen! Du hast mich im Stich gelassen, hast Dich verkrochen, Du kehrst das Unterste zuoberst, Du läßt mir Verse rezitieren von einer verrückten, während mein Harem "die Internationale" singt! Ein Kamel rennt in den Weiler... eine verstörte Königin taucht hier plötzlich auf, und keine Wache bewacht mich.(...)

Giglio: Majestät, Sie werden konstatieren können, daß ich ganze Arbeit geleistet habe. (...)

(Draußen ertönt Gebrüll)

Pausole: Taxis, sehen Sie nach, was da vor sich geht. Ist es die Revolution?

Taxis: Nein, es ist Ihr Volk, das in Massen herbeiströmt, um Sie zu ehren.

Meier (stürmt herein): Man stürmt meinen Besitz. Es sind mindestens 200 Tausend Arbeiter, Bürger, Städter, Dörfler, sie kommen zu Fuß, zu Pferd, mit dem Auto, und dem Velo - ich habe ganz Tryphème bei mir!

Pausole: Pausole: Die können doch nicht alle auf einmal hier herein!

Taxis: Meier, lassen Sie eine Reihe bilden, und einen nach dem anderen herein.

Giglio: Ich denke, es könnte schwierig werden, die ganze Bevölkerung vorbeimarschieren zu lassen. Könnte man nicht von jeder Gruppe eine Delegation empfangen?

Meier: Nicht drängeln, nicht drängeln. (zum König) Die feministischen Delegationen beginnen.

oben

Berliner Morgenpost:

Zu König Pausole

Es war ein guter Einfall, die Dialoge grundlegend zu überarbeiten.

Patric Tavantis Neufas-sung bringt aktuelle An-spielungen auf Auslän-derfeindlichkeit, Feminis-mus und technisierte Landwirtschaft.


"Sade-Teresa"

Fassung der Uraufführung (BKO, 1996)

Sade: Das sind drei Komödiantinnen, die ich aus Paris kommen ließ, um hier mein nächstes Stück zu proben... Seid ihr bald fertig mit dem Schneidern der Kostüme, meine Mädchen?

Florette: Ja, Monsieur le Marquis.

Sade: Sie haben Feenhände. Besonders Florette.

Latour: Und nicht bloß Hände!

Sade: Vorsicht Latour!

Morlanne: Können wir bei einer Probe zu schauen?

Sade:Sie sind eingeladen. Während wir zu Abend essen, werden diese jungen Mädchen sich umziehen. Es ist ein Stück das ich für meine Freunde in Charenton geschrieben habe.

Morlanne: Handelt es sich um eine Tragödie?

Sade: Tragikomödie.

Morlanne: Feierlich?

Sade: Philosophisch.

Morlanne: Der Titel?

Sade: "La Philosophie dans le Boudoir".

Sade: Bevor die Mädchen sich zurück ziehen werden sie Ihnen einige Kostproben geben. Können Sie ihren Text, Mesdemoiselle? Sprich einige Worte.

Florette: Ich habe mich von fünfzehn Männern hintereinander von hinten nehmen lassen; bin neunzigmal in vierundzwanzig Stunden gefickt worden, sowohl von vorn wie von hinten. Ich bin im Bordell gewesen. Ja, genau wie eine Hure habe ich dort während einer ganzen Woche die Launen mehrerer Lüstlinge befriedigt. Und ich habe recht seltsame Neigungen kennengelernt: nach dem Grundsatz der Libertinage der berühmten Kaiserin Theodora, der Gemahlin Justinians, habe ich an den Straßenecken und auf den öffentlichen Promenaden Männer aufgelesen... Und das Geld aus dieser Prostitution habe ich in der Lotterie eingesetzt... Bene, marchese?

Sade: Bennone. - Latour.

Latour: Warten Sie, ich will diesen genuß erst noch ein wenig sinnlicher gestalten. Augustin, streck dich am Rand dieses Bettes hin; Eugénie soll sich in deine Arme legen; während ich sie sodomiere, streichle ich ihre Klitoris mit dem süperben Schwanz unseres Augustin, der, um seinen Samen zu sparen, sich wohl vor dem Entladen hüten soll; der teure Chevalier, der sich wortlos und ganz langsam wichsen soll, während er uns zuhört, möge sich freundlichst auf Eugénies Schultern niederlassen und seinen schönen Hintern meinen Küssen darbieten.(...)

Sade: Danke, Latour. Sie sagen das mit dem Naturel der "Comédie francaise".

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